Maulkorbpflicht? So gewöhnt sich Ihr Hund daran – ganz ohne Stress und Zwang!

4Pfoten-Urlaub Vierbeiner mit Maulkorb

Ein Wanderurlaub mit dem Vierbeiner in Österreich – und natürlich in anderen Ländern und Regionen – ist eine tolle Gelegenheit, sich faszinierende Landschaften anzusehen und einfach mal entspannt die Seele baumeln zu lassen. Nicht wenige interessierte Urlauber verzichten jedoch darauf, mit ihrem Hund das Land zu bereisen. Denn in vielen österreichischen Bundesländern existieren Auflagen zum Tragen eines Maulkorbs.

Zwar gibt es kein landesweit geltendes Hundegesetz, und auch gelten die jeweiligen Regelungen einzelner Bundesländer nicht überall. Tatsächlich kann jede Stadt und jede Gemeinde zusätzlich eigene Regeln festlegen, ob und wo ein Hund anzuleinen ist und ob und wo er einen Maulkorb tragen muss.

Das oberösterreichische Hundegesetz schreibt beispielsweise vor, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln und an deren Haltestellen, auf Kinderspielplätzen und auf Plätzen mit größeren Menschenansammlungen immer Leinenpflicht besteht – und an einigen Orten eben auch die Maulkorbpflicht. Noch ein Beispiel: In der Landeshauptstadt Wien müssen alle Hunde entweder Leine oder Maulkorb tragen, auf öffentlichen Plätzen und in Restaurants sogar beides.

Aber keine Sorge: Mit ein wenig Geduld und der richtigen Strategie gelingt es ganz einfach, Ihren Vierbeiner an einen Maulkorb zu gewöhnen. Einem schönen Aufenthalt in Österreich steht also zumindest in dieser Hinsicht nichts im Wege!

Der Maulkorb – hilfreiches Mittel oder Einschränkung?

In den Köpfen vieler Menschen ist der Maulkorb eher negativ belegt: Hunde, die so ein Ding tragen, sind gefährlich und vermutlich sogar bissig! So die gängige Meinung. Dabei kann ein Maulkorb ein sehr hilfreiches Mittel sein. In einem öffentlichen Verkehrsmittel vermittelt er den anderen Passagieren eine gewisse Sicherheit, vor allem, wenn diese eine grundsätzliche Angst vor Hunden haben. Dieser Hund kann nicht beißen! Umgekehrt bedeutet der Maulkorb auch für den Hund selbst Sicherheit, zum Beispiel bei Giftköder-Warnungen und vor allzu aufdringlichen Menschen mit oder ohne Vierbeiner, denn die meisten werden – so zeigt die Erfahrung – von sich aus Abstand halten.

Wie Sie den passenden Maulkorb auswählen

4Pfoten-Urlaub den passenden Maulkorb finden

Stellen Sie sich vor, Sie haben sich eine neue Brille gekauft und stellen nach kurzer Zeit fest, dass sie nicht optimal sitzt. Sie drückt hinter dem Ohr oder rutscht den Nasenrücken hinunter. Vielleicht bekommen Sie sogar Kopfschmerzen. Die Brille stört, statt Ihnen zu helfen und Sie im Alltag zu unterstützen.

Genauso geht es Ihrem Hund, wenn sein Maulkorb nicht perfekt passt. Der Maulkorb darf weder von vorne noch von oben drücken, die Sicht einschränken oder gar beim Hecheln stören. Demnach sollte ein Maulkorb folgende Kriterien erfüllen:

  1. Der Maulkorb muss unterhalb der Schnauze so tief sein, dass der Hund mühelos hecheln und trinken kann.

  2. Die Nase darf den Maulkorb nicht berühren. Der Abstand zwischen Nase und Maulkorb sollte etwa einen bis zwei Zentimeter betragen. Weiterhin sollte sich der Nasenspiegel nicht mit dem Maulkorb berühren. Kaufen Sie bestensfalls eine so genannte „Nose-Free“-Variante.

  3. Der Abstand des Maulkorbs zu den Augen sollte so groß sein, dass der Hund ein uneingeschränktes Sichtfeld hat.

  4. Ein weich gepolsteter Nasenbügel sorgt dafür, dass ein Draht- bzw. Metall-Maulkorb nicht unmittelbar auf der Hundeschnauze aufliegt. Vor allem bei Hunden mit sehr kurzem Fell oder bei solchen, die kaum bis gar kein Fell auf der Nase haben, ist dies ein wichtiges Kriterium.

  5. Zwar sollte der Maulkorb seitlich auf den Wangen des Hundes anliegen, dort aber keinesfalls drücken oder reiben. Besteht der Maulkorb aus Draht, kann die Passform leicht optimiert werden.

  6. Der Maulkorb darf keinesfalls auf den Kehlkopf oder die Luftröhre drücken.

  7. Der Kopfriemen darf nicht auf die empfindliche Stelle direkt hinter den Ohren drücken.

  8. Ein Stirnriemen eignet sich für potenziell gefährliche Hunde. Der Maulkorb kann nicht über die Nase abgestreift werden und bietet daher noch mehr Sicherheit.

In weiteren Artikeln zum Thema „Maulkorb“ werden wir Ihnen noch zahlreiche weitere Informationen und Tipps geben unter anderem zu

– den unterschiedlichen Maulkorb-Varianten mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen und

– den unterschiedlichen Situationen, in denen das Tragen eines Maulkorbs für Ihren Hund zumindest sinnvoll, wenn nicht sogar vorgeschrieben ist.

Die stressfreie Gewöhnung Ihres Hundes an einen Maulkorb in sechs einfachen Schritten

4Pfoten-Urlaub Maulkorbtraining für Hunde

Die wichtigsten Infos vorab:

  • Der Maulkorb muss unbedingt die richtige Größe haben; er darf von Ihrem Hund keinesfalls als störend empfunden werden.
  • Nehmen Sie sich Zeit bei der Gewöhnung. Bewährt haben sich fünf bis sieben kurze Trainingseinheiten täglich über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen. Das Ziel besteht darin, dass Ihr Vierbeiner sich beim Anblick des Maulkorbs freut!
  • Vermeiden Sie Fehlverknüpfungen. Setzen Sie den Maulkorb auch dann ein, wenn er nicht unbedingt notwendig ist, damit Ihr Hund ihn nicht mit stressigen oder negativ behafteten Situationen verbindet.

Der Trainingsaufbau

Gewöhnen Sie Ihren Vierbeiner langsam und Schritt für Schritt an den Maulkorb. Verteilen Sie fünf bis sieben Übungseinheiten über den Tag; sie sollten drei bis maximal fünf Minuten dauern. Bleiben Sie bei jedem einzelnen Schritt, bis er perfekt sitzt, bevor Sie zum nächsten übergehen.

Lassen Sie Ihren Hund vor dem Üben möglichst gar nichts tun, damit er sich freut, wenn wieder etwas Spannendes passiert. Auch nach der Übungseinheit sollte er sich einfach ausruhen dürfen.

Schritt 1: Der Hund steckt die Nase freiwillig in den Maulkorb

Der Maulkorb liegt in Ihrer Hand; Sie legen ein etwas größeres Stück Futter oder einen feinen Leckerbissen hinein. Steckt Ihr Hund die Nase hinein, um sich das Leckerli zu holen, lassen Sie es ihn nehmen und ziehen Sie den Maulkorb dann aktiv von seiner Schnauze.

Warten Sie nicht, bis Ihr Vierbeiner von sich aus die Nase wieder herausnimmt. Er soll nicht selbst entscheiden und sich der Situation entziehen können!

Wiederholen Sie diesen Schritt, bis er perfekt klappt. Geben Sie Ihrem Hund den letzten Leckerbissen immer durch den Maulkorb, nicht erst nach dem Ausziehen! Das gilt übrigens auch für alle weiteren Schritte.

Schritt 2: Verlängern Sie die Zeitspanne

Erhöhen Sie nun nach und nach die Zeit, in der Ihr Hund seine Schnauze im Maulkorb halten soll. Nach einigen Wiederholungen wird er seine Nase sicher weiterhin freudig hineinstecken, denn hier wartet eine feine Belohnung auf ihn! Verwenden Sie gern einen besonders guten Leckerbissen, um die Motivation zu halten.

Behält Ihr Vierbeiner die Nase freiwillig im Maulkorb, verstärken Sie die Situation unbedingt positiv, indem Sie ihm weitere Leckerli durchreichen und ihn ausgiebig loben!

Schritt 3: Legen Sie den Riemen locker hinter die Ohren

Funktioniert Schritt 2 zuverlässig, können Sie das nächste Etappenziel angehen. Legen Sie Ihrem Hund beim Training immer wieder den offenen Riemen locker hinter die Ohren. Bestärken Sie ihn auch hier mit feinen Leckereien und achten Sie darauf, dass er seine Nase nicht selbst aus dem Maulkorb zieht.

Schritt 4: Schließen Sie den Riemen

Nach etwa vier bis sechs Tagen sollten Sie zum nächsten Schritt übergehen können. Setzen Sie Ihrem Hund den Maulkorb mehrere Tage hintereinander für wenige Sekunden mit geschlossenem Riemen auf.

Achten Sie darauf, dass Ihr Hund nicht versucht, den Maulkorb selbst abzustreifen. Gehen Sie in diesem Fall einen Trainingsschritt zurück oder versuchen Sie es mit einer kürzeren Tragedauer.

Und denken Sie daran, Ihren Hund stets ausgiebig zu belohnen und zu loben!

Schritt 5: Spaß und Spiel mit Maulkorb

Sobald Ihr Hund den Maulkorb auch längere Zeit tragen mag, ohne ihn abstreifen zu wollen, dürfen tolle Dinge passieren – mit dem Maulkorb natürlich! Nutzen Sie die Zeit, auch eigentlich unerlaubte Highlights einzubauen, zum Beispiel das Kuscheln auf dem Sofa. Blödeln Sie mit Ihrem Hund herum, geben Sie ihm eine ausgedehnte Massage- und Knuddeleinheit – alles ist erlaubt, sofern es Ihrer Fellnase richtig gut gefällt.

Das Ziel dieser Aktionen ist die erhöhte Akzeptanz des Maulkorbs bis hin zu freudiger Erwartung, wenn der Hund ihn anziehen darf!

Schritt 6: Trainieren Sie Alltagssituationen mit Maulkorb

Wirken Sie Fehlverknüpfungen gekonnt entgegen und setzen Sie den Maulkorb nun immer in angenehmen, fröhlichen und entspannten Situationen ein. Trainieren Sie täglich immer für kurze Zeitspannen – beim Gassi, im Café oder Restaurant, beim Planschen im Bach, beim Spielen und vieles mehr.

Achten Sie sorgfältig auf Ihren Vierbeiner – Sie müssen eingreifen, bevor er versucht, den Maulkorb von der Nase zu streifen. Haben Sie die Schritte sorgfältig geübt und aufgebaut, dürfte diese Situation aber kaum auftreten.

Wir hoffen, euch hat unser Blogartikel gefallen! Bei Ideen, Anregungen oder Korrekturwünschen bitten wir um einen Kommentar 🙂

Euer 4Pfoten-Urlaub-Team

 

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