Flexileine – Fluch oder Segen?

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Die Entfernung zwischen Erde und Mond beträgt – je nach Position des Trabanten auf seiner Bahn – etwa 400.000  Kilometer. Und ungefähr genauso weit gehen die Meinungen zum Thema „Flexileine“ auseinander. Die Flexileine polarisiert. Der eine findet sie grandios, der andere zum Fürchten. Warum fragen wir nicht die, die es am meisten angeht – unsere Hunde?

Was genau ist eine Flexileine?

Flexileinen sind auch unter der allgemeineren Bezeichnung „Rollleine“ bekannt. Der geläufigere Name wurde vom marktführenden Hersteller flexi geprägt. Die Leine befindet sich in einem Gehäuse mit einer federbelasteten Spule. Diese wickelt die Leine automatisch auf und ab. Es besteht also immer eine gewisse Spannung auf der Leine, unabhängig davon, wie weit sich der Vierbeiner vom Halter entfernt.

Mittels einer „Bremse“ kann der Halter das Abwickeln stoppen und seinen Hund mit schwingenden Armbewegungen zu sich heranholen. Auch das dauerhafte Bei-Fuß-Gehen ist mit einer Flexileine möglich, indem der Halter die Leinenbremse auf kurzer Distanz feststellt.

Große Auswahl unter den Flexileinen

Flexileinen gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, Längen und Größen, so dass sie für jegliche Hunderassen erhältlich sind. Die kürzeste Leine ist drei Meter, die längste zehn Meter lang. Zu den gängigen Leinenvarianten selbst zählen breite Gurte und dünne Kordeln.

Die Vorteile einer Flexileine

Da die Leine im Gehäuse automatisch auf- und abgewickelt und damit auf Spannung gehalten wird, schleift sie nicht auf dem Boden. Wenn es nicht gerade regnet, wird sie also weder dreckig noch nass – im Gegensatz zu einer Schleppleine.

Weiterhin muss der Hundehalter nicht weiter aktiv werden, die Leine muss nicht von Hand auf- und abgewickelt werden. Flexileinen eignen sich beispielsweise gut für Hundesenioren, deren Seh- und Hörfähigkeit stark eingeschränkt bis gar nicht mehr vorhanden ist. Sie können sich weiterhin relativ frei bewegen, verlieren beim Spazierengehen aber nicht den Anschluss an „ihren“ Menschen.

Die Nachteile einer Flexileine

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Hundetrainer bemängeln an der Flexileine vor allem, dass zwischen Hund und Halter kein direkter Kontakt über die Leine besteht. Das Griffstück verhindert die Wahrnehmung einer unmittelbaren Rückmeldung des Vierbeiners, zum Beispiel einen leichten Zug auf der Leine oder ein kaum merkliches Lockerlassen. Der Halter verliert damit das Gespür für seinen Hund und dessen momentaner Verfassung oder Stimmung.

Auch für das Training der Leinenführigkeit ist eine Flexileine nicht die richtige Wahl. Leinenführigkeit heißt, dass der Hund an lockerer (!) Leine neben seinem Menschen hergeht und sich an diesem orientiert. Der Mensch soll dem Hund Sicherheit vermitteln, ihn durch den Alltag führen und begleiten, schwierige Situationen regeln. Mittels Flexileine lernt der Hund jedoch, dass er durch Ziehen vorankommt – und das hat mit Leinenführigkeit nicht das Geringste zu tun.

Nicht nur Zuhause sondern auch im Urlaub sollte man eine Leine nutzen. So gibt es Urlaubsländer die das sogar festschreiben. Welche Länder Leinenzwang haben lesen Sie hier.

Ein deutliches Contra zur Flexileine: Geschichten aus dem Hundeleben

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Wichtig: Diese „Geschichten“ sind nicht erfunden, um die Flexileine in ein schlechtes Licht zu rücken. Sie haben – leider! – tatsächlich so stattgefunden.

Maira verliert ihren besten Freund

Maira war eine traumhaft schöne Mischlingsdame – irgendwas mit Kurzhaar-Schäferhund und Labrador –, die sich sehr schwer damit tat, Hundefreunde zu finden. Von Natur aus sehr schüchtern und zurückhaltend, brauchte sie viel Zeit, um nach dem Umzug in ihr richtiges Zuhause mit den anderen Vierbeinern in der Straße Kontakt aufzunehmen und Vertrauen aufzubauen. Einen dieser tierischen Nachbarn schloss sie jedoch sofort ins Herz: den Husky-Rüden Gino. Er war im Handumdrehen ihr allerbester Kumpel, sie liebte ihn innig und vertraute ihm restlos.

Eines Abends begegneten sich die beiden vierbeinigen Freunde wieder einmal beim Spaziergang mit ihren Menschen. Was weder Maira noch ihr Frauchen wussten und gesehen hatten: Gino lief nicht wie sonst frei, sondern an einer Flexileine. Und leider bestand die Leine nicht aus einem Gurt, sondern aus einer dünnen Kordel. Die war in der Beinahe-Dunkelheit auf dieser Entfernung nicht zu sehen. Mairas Frauchen erkannte jedoch das typische Geräusch der Spule und wollte ihre Hündin gerade zurückrufen, doch es war zu spät: Maira rannte voller Vorfreude direkt in die Leine. Ginos Herrchen hatte reflexhaft auf die Spulenbremse gedrückt, so dass die Leine nicht nachgab – und Maira jaulte vor Schmerz laut auf. Sie hatte sich zum Glück nicht weiter verletzt, aber der Schreck saß so tief, dass sie Gino von diesem Tag an konsequent aus dem Weg ging und manchmal sogar vor Angst zitterte, wenn sie ihn nur von weitem sah. Woher sollte sie auch wissen, dass es nicht der Hund, sondern die Flexileine gewesen war, die ihr Schmerzen zugefügt hatte? Gino hatte keine Chance mehr, Mairas Vertrauen wiederzuerlangen. Weder mit noch ohne Flexileine.

Das völlig unnötige Ende einer wunderbaren Freundschaft unter Hunden.

Gut, hier könnte folgendes Argument greifen: „Es gibt inzwischen Flexileinen mit breitem Gurt in reflektierenden Neon-Farben. Einen solchen Gurt hätte Maira auf jeden Fall gesehen.“ Schauen wir uns daher einmal die nächste (wahre) Geschichte an:

Tierschutzhund Ayko: Voller Panik in den Tod

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Ganz ehrlich: Wem ist nicht schon einmal die Hundeleine aus der Hand gefallen? Oder sogar vom Hund aus der Hand gerissen worden? Weil der Halter eine Sekunde lang unaufmerksam war? Oder weil er gestolpert ist? Eine „normale“ Leine aus der Hand zu verlieren, kann bei einem ängstlichen Hund bereits problematisch werden. Das Gehäuse einer Flexileine zu verlieren, ist ungleich schlimmer.

Ayko war ein etwa drei Jahre alter Mischling, der nach längerer Zeit in einem ausländischen Shelter endlich ein schönes Zuhause gefunden hatte. Er war ein klassischer Angsthund, der wenig Erfahrungen gesammelt hatte. Und viele von denen, die er hatte sammeln können, waren nicht schön: Er war ausgesetzt worden, hatte sich allein auf den Straßen durchschlagen müssen, wurde verjagt und vertrieben und sicher auch geschlagen. In seinem neuen Zuhause sollte nun alles besser werden. Er lebte sich dank der grenzenlosen Geduld seines neuen Frauchens langsam ein und baute ein gewisses Maß an Vertrauen zu ihr auf. Seine Schreckhaftigkeit war aber ein tief sitzender Teil seines Wesens, der auch nach mehreren Monaten in sicherem Zuhause nicht nachließ. Sobald ein unerwartetes Geräusch ertönte, war Ayko im Fluchtmodus und versuchte verzweifelt, sich in Sicherheit zu bringen.

Es geschah während eines Spaziergangs durch einen Wald. Aykos Frauchen stolperte in einem unachtsamen Moment über eine Baumwurzel und fiel vornüber. Bei dem reflexhaften Versuch, sich mit den Händen abzufangen, ließ sie das Gehäuse der Flexileine fallen. Das Geräusch jagte Ayko einen Riesenschreck ein, und er rannte panisch davon. Doch er konnte der vermeintlichen Gefahr nicht entkommen, denn das Gehäuse sprang während seiner rasenden Flucht direkt hinter ihm immer wieder vom Boden auf. Es spielte keine Rolle, wie schnell der Hund rannte und wohin. Und schließlich hetzte Ayko in blanker Panik über eine Böschung auf eine stark befahrene Straße. Der Fahrer des sich nähernden Sattelschleppers hatte keine Chance. Und Ayko auch nicht.

Fazit

Flexileinen bieten ein gewisses Maß an Bequemlichkeit für Hund und Halter. Der Hund genießt beim Spazierengehen eine Art von Freiheit, die Leine schleppt nicht auf dem Boden, und der Mensch muss sich nicht weiter kümmern.

Diese gewisse Freiheit trotz Leine lässt sich jedoch auch anders realisieren, und wenn der Mensch bereit ist, die fragwürdige Bequemlichkeit außer acht zu lassen, ist die Alternative vermutlich die bessere Wahl. Gemeint ist die Schleppleine.

Haben Schleppleinen auch Nachteile? Natürlich!

Schleppleinen sind für ungeübte Hundehalter zunächst unhandlich. Sie sind je nach Ausführung sehr lang (erhältlich zwischen fünf und 20 Metern), und wenn sie sich mit Nässe vollsaugen, auch relativ schwer.

Schleppleinen sollen grundsätzlich am Rückenring eines Geschirrs befestigt werden, um Hals und Nacken des Vierbeiners nicht zu belasten. Also benötigt der Hund auch noch ein gut sitzendes Geschirr.

Schleppleinen müssen gehandhabt, aufgenommen, aufgewickelt und wieder freigegeben werden. Dafür sind die Aufmerksamkeit und die Mitarbeit des Hundehalters gefragt. Und natürlich werden auch die Hände im Laufe des Spaziergangs mit hoher Wahrscheinlichkeit schmutzig.

Ob der Hundehalter sich darauf einlassen möchte, muss er selbst entscheiden. Aber was sollte letztendlich wichtiger sein? Das Wohlergehen des Hundes (egal, ob Angsthund oder nicht) oder die Bequemlichkeit des Menschen?

Zum Schluss noch eine grundsetzliche Sache. Ministerin Klöckner plant eine Gassi-Pflicht! Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare dazu.

Wir hoffen, euch hat unser Blogartikel gefallen! Bei Ideen, Anregungen oder Korrekturwünschen bitten wir um einen Kommentar :)

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2 Kommentare
  1. Laura sagte:

    Hallo, ein sehr schöner und informativer Artikel. Ich selbst nutze beide Leinen, sowohl eine Schleppleine also auch eine Flexleine, neben der “Normalen” Gassileine. Manchmal ist mir die Flexileine einfach bequemer. Grade bei Regen oder Matsch Wetter. Ich finde es gut, dass du beide Seiten aufzeigst, die Vor und Nachteile. Ich denke jeder Hund sollte erstmal an einer lockeren Leine laufen lernen bevor man sich an weitere Leinen wagt.
    Beste Grüße
    Laura

    Antworten
    • Sylvia Hain sagte:

      Hallo Laura, da hast du Recht. Leider nehmen viele nur die Flexileine und wundern sich, warum es mit der Leinenführigkeit nicht klappt.

      Antworten

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