Ein Tag im Leben einer Hundeführerin beim THW

4Pfoten-Urlaub Hunderettung Johanniter
4Pfoten-Urlaub Rettungshund der Johanniter

 

Wie jeden Samstag fahren wir zu einer Industrieruine. Hier üben wir, Menschen zu finden, die bei einer Explosion oder einem Erdrutsch verschüttet wurden.

Versteckspiel für Große

Als erstes sind unser Ausbilder und sein schwarzer Labrador dran. Beide sind erfahren, es darf also etwas schwieriger sein. Drei von uns verstecken sich. Ich bekomme ein Versteck im Dunkeln zugeteilt. Da war der Hund beim letzten Mal unsicher gewesen. Ich setze mich in die Ecke des stockfinsteren Raums und lege mir eine Decke um die Schultern, damit die gelben Streifen an meiner Jacke nicht gleich zu sehen sind. “Seid ihr in Position?”, fragt unser Gruppenführer über Funk und als wir bejahen, gibt er dem Ausbilder Bescheid, dass er mit seinem Hund in das Suchgebiet kommen kann. Er erklärt ihm gerade, welche Fläche die beiden absuchen sollen, da meldet sich unser Ortsbeauftragter über Funk: “Alle unverzüglich zurück in den Ortsverband.”

Einsatz – unverhofft kommt oft

“Was wohl passiert ist?” Ich rapple mich auf und mache mich auf den Weg zurück zum Auto. Schon geht der Alarm los. “Vermisste Person”, sagt mir die Alarm-App. Schnell packen wir unsere Sachen zusammen und fahren zurück zum Ortsverband. Dort informiert uns der Ortsbeauftragte über die Lage: Vermisst wird ein Senior. Die Nachbarn haben ihn länger nicht gesehen und die Polizei alarmiert. Die Mantrailer fahren vor, wir kommen mit den Flächensuchhunden nach.
Ausnahmsweise dürfen auch die Hunde in Ausbildung mit. Man weiß nie, wie lange so ein Einsatz dauert. Im besten Fall wird die vermisste Person noch gefunden, bevor wir am Einsatzort ankommen. Wenn nicht, kann es lange werden. Der längste Einsatz in diesem Jahr hat ganze 15 Stunden gedauert.

Die Mantrailer legen los

4Pfoten-Urlaub Rettungshund im Einsatz
4Pfoten-Urlaub Mantrailing

Als wir am Einsatzort ankommen, wird uns ein großer Parkplatz als Bereitstellungsraum zugewiesen. Hier sammeln sich alle alarmierten Rettungshundestaffeln. Die Feuerwehr, das Rote Kreuz und andere Rettungsorganisationen bilden ihre Hunde ähnlich aus wie wir. Mit einigen üben wir regelmäßig, um die Zusammenarbeit zu trainieren.
Unsere Mantrailer fahren zum Haus des Vermissten und sichern den Geruch. Die Mantrailer, oder Personenspürhunde, folgen der Spur einer bestimmten Person. Damit sie wissen, wen sie suchen müssen, gibt man ihnen den Geruch der Person – Dafür brauchen sie einen Gegenstand, den nur diese Person berührt hat. Kleidungsstücke zum Beispiel oder eine Zahnbürste. Bei Übungen lassen sie manchmal eine Person einfach nur ein Geländer anfassen und zeigen dem Hund dann die Stelle. Für mich ist es auch nach Jahren noch faszinierend, wozu die Schnüffelnasen fähig sind.

Die Mantrailer sollen uns zeigen, in welche Richtung der Mann gelaufen ist. Damit liegt ein großer Druck auf den Hundeführern. Sie müssen ihre Hunde gut lesen können. Das heißt, sie müssen anhand der Körperhaltung und der Bewegungen des Hundes einschätzen können, wie sicher der Hund ist und ob er gerade “privat schnüffelt”, also z.B. einer Hündin nachgeht, oder “arbeitet”, d.h. die Spur der vermissten Person ausarbeitet. Anhand ihrer Einschätzung wird die restliche Suchtaktik bestimmt.
Die Flächensuchhunde suchen allgemein nach Menschen und bellen, wenn sie jemanden gefunden haben.
Die Trailer starten direkt am Haus des Vermissten und weil in dem Wohngebiet viel los ist, fordern sie Unterstützung bei uns an. Der Gruppenführer und ich fahren mit dem Auto hin. Wir sollen Passanten und Autofahrer warnen. Immer wieder kreist der Hund um eine Kreuzung. Er muss jede Richtung prüfen und dann entscheiden, wo die Spur weiter geht. Besonders an viel befahrenen Straßen ist das oft schwierig, weil die Spur vom Fahrtwind verweht wird.
Es ist wichtig, dass der Hund nicht zu oft in seiner Arbeit gestört wird, weil er sonst die Motivation verliert. Der Hundeführer kann also nicht jedes Mal anhalten, wenn er eine Straße überquert. Deshalb bitten wir die Autofahrer, einen Moment zu warten oder erklären Passanten und Fahrradfahrern, warum es wichtig ist, dass sie Abstand zu dem Suchteam auf 6 Beinen halten. Die meisten zeigen Verständnis. Doch wie immer gibt es auch ein paar Unverbesserliche, die sich unbedingt eilig durchquetschen wollen.

Flächensuche rund um die Bahngleise

4Pfoten-Urlaub Suchhund
4Pfoten-Urlaub Golden Retriever

In der Nähe der Bahngleise kreist der Hund immer wieder. Er kommt nicht weiter. Die Polizei beschließt daher, den Zugbetrieb zu stoppen, damit die Flächensuchhunde die Wiesen und Felder entlang der Gleise absuchen können. Wir fahren also mit Hund und Hundeführer zurück zum Bereitstellungsraum. Karten werden ausgedruckt, Suchgebiete markiert und eingeteilt. So lange kann ich verschnaufen und etwas trinken. Dann bekomme ich den Auftrag eine unserer Hundeführerinnen und ihren Goldenretriever zu begleiten. Der Goldie ist mit seinen 10 Jahren noch topfit, sucht aber sehr viel gelassener und ruhiger als die jungen Hunde. Deshalb bekommen wir Wiese und Feld neben einem Spielplatz zugeteilt. Das Team hat wahnsinnig viel Erfahrung, sie verstehen sich blind. Ich sehe ihnen gerne zu, wie sie gemeinsam suchen. Immer die Windrichtung im Blick, ebenso wie mögliche Gefahren. Im Zick-Zack geht es über die Wiese. Ich laufe an der Straße entlang, und erkläre einmal mehr Passanten, was wir hier tun und bitte sie, erst einmal nicht auf die Wiese zu gehen.

Glückliches Ende

Den Vermissten haben wir nicht gefunden, aber der Goldie darf trotzdem zur Belohnung spielen. Er hat seinen Job schließlich gut gemacht. Als wir gerade zurück zum Parkplatz kommen, empfängt uns Applaus. Einen Moment sehen wir uns irritiert an, bis wir von den anderen aufgeklärt werden: “Person gefunden, ansprechbar”, lautet der Satz, den wir am liebsten hören. Alle sind erleichtert. Auch wenn wir nicht selbst gefunden haben, so haben wir doch unseren Teil zum Erfolg beigetragen.

Wir hoffen, euch hat unser Blogartikel gefallen! Bei Ideen, Anregungen oder Korrekturwünschen bitten wir um einen Kommentar 🙂

Euer 4Pfoten-Urlaub-Team

 

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